Viel zu viel 

 

Aneinander vorbei
Du und ich
Sind uns fremd
Möglichst kein Blickkontakt
Denken wir sind frei
Vorbestimmt
Die Erwartungen der Gesellschaft
Teilt uns entzwei


Wer bin ich?
Dünn genug?
Bist du nie
Schön genug?
Bist du nie


Du sollst trauern
Aber nie zu viel
Welches Maß ?
Viel zu viel


Du sollst lernen
Ohne Zwang
Sei nicht faul
Mach nicht zu viel


Denk an dich
Aber nie zu viel
Jeder lebt für sich
Aber nie zu viel


Achte auf dich
Mach was aus dir
Sei nicht oberflächlich
Aber mach was aus dir




Du musst funktionieren
Bitte sei still
Meine Erwartungen
So wie ich es will




Mein Leben, nicht deins
Erwartungen nicht erfüllt
Liebesentzug
Mit Hass erfüllt
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Ertrinken

Ich spüre nur noch Traurigkeit, Verzweiflung und Hoffnungslosigkeit in mir. Ich weiß nicht mehr, wie ich mir selbst helfen kann, geschweige denn, wie mir jemand anderes helfen kann. Wenn ich versuche, mich jemandem zu erklären, fühle ich mich unverstanden. Meine Realität ist eine komplett andere, als die von den Menschen, mit denen ich Kontakt habe. Ich weiß nur nicht, welche die richtige ist. Ob ich durchdrehe, ob alle anderen durchdrehen oder ob wir alle einfach durchdrehen.

Ich kenne keinen Menschen, von dem ich denke, er ist durch und durch glücklich und braucht dafür weder Geld, noch Drogen jeglicher Art. Niemanden, der im Reinen mit sich selbst ist und das auch noch wäre, wenn er auf alles verzichten würde. Klar, ist meine Definition von Glück und Zufriedenheit sehr extrem, aber sollte das nicht eigentlich die richtige Definition sein? Was läuft falsch, dass Geld in unserer Gesellschaft so einen hohen Stellenwert hat? Dass so unendlich viele Menschen versuchen, ihre Unzufriedenheit mithilfe von Alkohol oder Drogen zu verdrängen?

Aber eigentlich verstehe ich es doch. Ich bin doch genau so. Es ist für mich so schmerzhaft, mir selbst einzugestehen, dass ich unglücklich bin und dann zu erkennen, dass ich so wenig ändern kann. Da verdränge ich es lieber, bis es mich doch wieder einholt.

Ja, ich kann in eine Klinik gehen und gegen meine Sucht kämpfen. Ich kann gegen alle meine schlechten Erinnerungen kämpfen. Aber selbst, wenn ich die ganzen Kämpfe gegen mich selbst irgendwann gewinne, ist da immer noch die Gesellschaft, in der ich lebe und die mich so traurig macht. Wenn ich es schaffen würde, wieder von Grund auf glücklich zu sein, dann würde ich noch immer glauben, dass alle anderen unglücklich sind. Ich möchte nicht, dass die Menschen, die ich liebe, unglücklich sind. Das tut mir so weh, dass ertrage ich nicht und das kann einfach nicht natürlich sein. Ich wollte immer Kinder haben. Ich dachte, das bringt mir mein Glück. Aber Depressionen können genetisch bedingt sein und wenn ich mir vorstelle, dass meine eigenen Kinder genau so unglücklich sein könnten, den selben Kampf gegen sich selbst führen könnten wie ich, dann widerstrebt mir der Gedanke, Kinder in diese Welt zu setzen.

Ehrlich gesagt denke ich, das sollte sogar verboten werden, oder man muss die Menschheit dumm züchten. Lieber das Unvermögen, sich selbst mit so vielen Gedanken innerlich zu zerstören, als intelligent und unglücklich.

Ich weiß, dass ich mir mit meinen endlosen pessimistischen Gedanken selbst im Weg stehe, aber ich kann sie einfach nicht abschalten. Das ist meine Sichtweise und das woran ich glaube.

In meinem Kopf ist so viel, sind so viele Gedanken, die ich kaum in Worte fassen kann oder selbst nicht verstehe. Ich bezweifle alles, stelle alles nur noch in Frage und nehme mir somit selbst alles, was mich noch gehalten und mir Kraft gegeben hat. Es kommt mir vor, als würde ich in meinen eigenen Gedanken ertrinken und je mehr ich versuche, mich über Wasser zu halten, desto tiefer sinke ich und desto weniger Energie habe ich, mich noch einmal an die Luft hoch zu kämpfen.

 

Kann mich irgendjemand verstehen?

Leid oder Glück

Über die Hälfte meines Lebens leide ich. Wenn ich nun nicht mehr leide, wenn es mir gut geht, dann kann ich das entweder nicht wahrhaben oder halte es nur für kurze Zeit aus. Es fühlt sich für mich nicht real an, so als würde das Glück trügen. Und ich lasse mich nicht verarschen. Wenn ich dem Glück traue, bin ich am Ende noch enttäuschter von mir, meinen Mitmenschen und sowieso der ganzen Welt, als ohnehin schon. Also mache ich mir mein Glück, sobald es Überhand gewinnt, lieber schnell selbst kaputt. Dann habe wenigstens ICH entschieden, dass ich leide. Nicht irgendwelche Umstände, irgendeine Person, sondern ich. Damit komme ich besser klar.

Diese Einstellung leitet mich bald die letzten 10 Jahre: zunächst eine lange Zeit unbewusst, und nun seit ca. 2 Jahren bewusst. Ich verdränge zwar immer wieder, dass ich dieses Leitbild verfolge, aber es holt mich immer wieder ein.

Heute hat mir meine Therapeutin gesagt, was eigentlich offensichtlich ist: ich habe die Wahl. Leiden oder Nicht-Leiden. Entscheide ich mich aus Bequemlichkeit immer wieder fürs Leiden? Weil ich es so kenne und ansonsten meine Komfort-Zone verlassen müsste? Oder denke ich, ich habe nichts anderes verdient, kein Glück, nur das Leid?

Ich habe nicht das Gefühl, als hätte ich die Wahl. Es liegt noch so viel Arbeit vor mir.

Ein Licht

Im Moment geht es mir besser. Ich bin sehr glücklich mit meinem Freund und dem Praktikum und das gibt mir Kraft. Da ich solche Probleme mit meinem Körper und generell meinem Aussehen habe, hätte ich nicht gedacht, dass ich mich auf eine Beziehung wirklich einlassen kann.. dass ich solche Gefühle überhaupt zulassen kann.

Mir fällt es schwer, zu akzeptieren, dass ich auch mal glücklich sein darf. Immer wenn ich mich zu glücklich fühle, mache ich irgendwas, um mich wieder schlechter zu fühlen.. da muss ich wirklich dran arbeiten.

Im Moment habe ich keine Essattacken mehr.. würden andere jetzt sagen, aber für mich zählt es schon als ein ‚Essattacken-Tag‘, wenn ich mal 2000 Kalorien am Tag zu mir genommen habe. Mein Ziel sind höchstens 1000 Kalorien..

Naja, auf jeden Fall ist da endlich ein Licht am Ende des Tunnels.

Sich erlauben, glücklich zu sein

Von Außen betrachtet sollte man meinen, mein Leben läuft im Moment ziemlich gut. Eigentlich ist es auch so. Ich habe meine beste Freundin und ein paar andere Freunde verloren. Die anderen sind mir egal, das waren keine wahren Freunde, aber meine beste Freundin vermisse ich unglaublich: jeden Tag mit ihr zu verbringen, Gedichte zu schreiben, zusammen Klavier zu spielen oder einfach nur zusammen Mittagsschlaf zu halten. Wir waren verbunden. Aber es ist vorbei, daran kann ich nichts mehr ändern, egal wie sehr ich es auch möchte. Das ist eigentlich der einzige Punkt, der im Moment in meinem Leben negativ ist.

Ich habe mein Praktikum in einem Reisebüro begonnen, das mir wirklich Spaß macht. Endlich wieder einen geregelten Tagesablauf, das habe ich wirklich vermisst. Dazu kommt, dass meine Mutter nun in eine wunderschöne Wohnung gezogen ist, in der ich endlich auch wieder einen Platz habe. War ein schönes Gefühl, wieder einen Wohnungsschlüssel zu einer eigenen Wohnung in der Hand zu halten, bei der ich kommen und gehen kann, wann ich möchte. Bin wirklich froh, wieder mit den beiden Menschen zusammen zu wohnen, die ich am meisten liebe. Außerdem habe ich meinen besten Freund, der mir so ähnlich ist und mir unglaublich viel Kraft gibt. Mir ist jetzt bewusst geworden, dass ich die anderen nicht brauche. Die Freunde, die ich habe, sind wahre Freunde, die immer hinter mir stehen werden. Dafür bin ich wirklich dankbar. Ich unternehme wieder viel, bin oft unterwegs und das tut mir auch wirklich gut. Dazu kommt, dass ich langsam wieder angefangen habe, den Kontakt zu meinem Vater und meinen Großeltern aufzubauen. Das ist zwar schwer und kostet mich wirklich einiges an Überwindung, aber er ist immerhin mein Vater. Er liebt mich und ich liebe ihn.. irgendwo in mir.

Wenn man das jetzt alles so liest, könnte man denken, ich wäre glücklich mit dem Leben, das ich nun habe.

Ich verstehe nicht warum ich trotzdem so unglücklich bin, dass ich manchmal einfach nur noch schreien möchte.

Malaysia?

Jetzt bin ich also in Malaysia, habe gehofft, dass hier alles anders wird. Das war naiv. Die letzten Wochen in Deutschland lief es viel besser mit dem Essen. Klar, es war zu wenig, aber wenigstens keine Essattacken. Dabei hat mir eine Person geholfen. Noch nie hat es vorher jemand geschafft, mir das Verlangen, zu essen,  zu nehmen.

Jetzt sehe ich die Person nicht mehr und direkt läuft es wieder schlechter. Fremdes Land, fremde Kultur, eine halbe Welt entfernt von meinen besten Freunden. Ich habe Angst, dass es hier wieder schlimmer wird, ich zunehme oder mir einbilde, zugenommen zu haben und wieder in das Loch zu fallen.

Von den Maennern in Malaysia bekomme ich sehr viel Aufmerksamkeit, das gefällt mir aber auch nicht. Ich fuehle mich hier eingeschränkt ohne mein Auto, ohne mich draussen einfach frei bewegen zu können. Das verstärkt die Depressionen..

Ich denke, ich werde nur 2 Monate hier bleiben. Ich möchte noch nicht jetzt direkt nachhause fliegen, da ich noch mehr von der Natur sehen möchte und auch die Zeit mit meinem Onkel geniesse. Hätte ihn gerne als Vater.. aber das kann man sich ja leider nicht aussuchen. Sobald ich wieder in Deutschland bin, werde ich arbeiten, bis ich mein Praktikum in eine Reisebüro beginnen kann.

Mir geht so viel durch den Kopf, ich kann trotzdem keinen klaren Gedanken fassen und habe das Gefühl, mein Kopf ist leer. Langsam habe ich keine Kraft mehr, jeden Tag aufs Neue gegen meinen eigenen Körper, meine eigenen Gedanken ankämpfen zu müssen.

 

 

Schön genug 

In den letzten zwei Wochen habe ich gar keinen Hunger mehr. Habe vorhin ein bisschen Salat gegessen und zwei Plätzchen und habe nun so ein schlechtes Gewissen. Klar, ich weiß, dass es eigentlich zu wenig ist. Trotzdem fühle ich mich, als würde ich gleich platzen und als hätte ich direkt 3 Kilo zugenommen. 

Am 2. Januar fliege ich für ein halbes Jahr nach Malaysia. Seit gestern bin ich bei meinen Großeltern, also sehe ich meine Freunde nicht mehr. Vermisse sie jetzt schon so unglaublich. Aber ich ziehe das durch, auch wenn es hart wird. Natürlich freue ich mich auch total. Einfach mal etwas ganz anderes. Ich denke, das wird mir gut tun. 

Mein Vater hat zu meiner Schwester gesagt, er vermisst mich. Das war irgendwie hart für mich. Es ist leichter, den Kontakt zu einer Person abzubrechen, wenn man weiß, dass dieser Wunsch auf Gegenseitigkeit beruht. Ich vermisse ihn auch.. Aber ich möchte mein Trauma bewältigen und meine Therapeutin hat gesagt, ich dürfe so lange keinen Kontakt zu meinem Vater haben.

Ich denke das tut mir auch gut. 

Leere

Es fühlt sich wie ein Loch in meiner Brust an, das sich durch nichts füllen lässt. Als würde ein Stück fehlen und dieses Stück bringt kein Geld der Welt zurück, und auch keine motivierenden Sprüchen, auch wenn sie wahr sind. Manchmal gelingt es mir kurz, wenn ich Zeit mit Menschen verbringe, die ich liebe, das Loch zu vergessen. Manchmal bilde ich mir dann kurz ein, es sei nicht mehr da. Dann, in den unpassenden Situationen, es muss gar keinen konkreten Auslöser geben, spüre ich die Leere stärker denn je. Habe das Gefühl, ich bin machtlos. Wie soll ich einen Ersatz finden für etwas, das mir unbekannt ist. Etwas, das ich nicht kenne. Ich weiß nicht, was mir fehlt und was mich manchmal alles positive auf dieser Welt vergessen lässt. Es tut weh, erschwert das Atmen und lässt mein Gesicht kalt werden, mein Blick ins Leere laufen. Nimmt mir alle Kraft. Alles, womit sich meine Mitmenschen beschäftigen, erscheint mir wie Oberflächlichkeiten: die Sorgen um die Rente im Alter, die Angst mit einer schlechten Note nach Hause zu kommen, zu wenig Geld, Angst, das Abi nicht zu schaffen, einen gut bezahlten Beruf niemals ausüben zu können. Dabei lasse ich mich viel zu oft selbst von solchen Gedanken leiten. Kommt das aus mir? Bin ich das? Oder war ich zu lange den Erwartungen und Richtlinien der Gesellschaft und meiner Familie väterlicherseits ausgesetzt? Ich bin das nicht. Ich will das nicht sein. Was bringt mir ein 1-Schnitt, ein toller Beruf, in dem ich viel Geld verdiene? Was bringt mir all  so was, wenn in meinem Herz etwas fehlt? Zufriedenheit kann nur von einem selbst ausgehen. Ich brauche kein 1-Schnitt, möchte nicht viel Geld, einfach nur, dass es reicht. Man kann auch in einer kleinen Einzimmerwohnung glücklich sein, wenn man im Reinen mit sich selbst ist. Wenn da keine undefinierbare Leere in einem ist.