Ertrinken

Ich spüre nur noch Traurigkeit, Verzweiflung und Hoffnungslosigkeit in mir. Ich weiß nicht mehr, wie ich mir selbst helfen kann, geschweige denn, wie mir jemand anderes helfen kann. Wenn ich versuche, mich jemandem zu erklären, fühle ich mich unverstanden. Meine Realität ist eine komplett andere, als die von den Menschen, mit denen ich Kontakt habe. Ich weiß nur nicht, welche die richtige ist. Ob ich durchdrehe, ob alle anderen durchdrehen oder ob wir alle einfach durchdrehen.

Ich kenne keinen Menschen, von dem ich denke, er ist durch und durch glücklich und braucht dafür weder Geld, noch Drogen jeglicher Art. Niemanden, der im Reinen mit sich selbst ist und das auch noch wäre, wenn er auf alles verzichten würde. Klar, ist meine Definition von Glück und Zufriedenheit sehr extrem, aber sollte das nicht eigentlich die richtige Definition sein? Was läuft falsch, dass Geld in unserer Gesellschaft so einen hohen Stellenwert hat? Dass so unendlich viele Menschen versuchen, ihre Unzufriedenheit mithilfe von Alkohol oder Drogen zu verdrängen?

Aber eigentlich verstehe ich es doch. Ich bin doch genau so. Es ist für mich so schmerzhaft, mir selbst einzugestehen, dass ich unglücklich bin und dann zu erkennen, dass ich so wenig ändern kann. Da verdränge ich es lieber, bis es mich doch wieder einholt.

Ja, ich kann in eine Klinik gehen und gegen meine Sucht kämpfen. Ich kann gegen alle meine schlechten Erinnerungen kämpfen. Aber selbst, wenn ich die ganzen Kämpfe gegen mich selbst irgendwann gewinne, ist da immer noch die Gesellschaft, in der ich lebe und die mich so traurig macht. Wenn ich es schaffen würde, wieder von Grund auf glücklich zu sein, dann würde ich noch immer glauben, dass alle anderen unglücklich sind. Ich möchte nicht, dass die Menschen, die ich liebe, unglücklich sind. Das tut mir so weh, dass ertrage ich nicht und das kann einfach nicht natürlich sein. Ich wollte immer Kinder haben. Ich dachte, das bringt mir mein Glück. Aber Depressionen können genetisch bedingt sein und wenn ich mir vorstelle, dass meine eigenen Kinder genau so unglücklich sein könnten, den selben Kampf gegen sich selbst führen könnten wie ich, dann widerstrebt mir der Gedanke, Kinder in diese Welt zu setzen.

Ehrlich gesagt denke ich, das sollte sogar verboten werden, oder man muss die Menschheit dumm züchten. Lieber das Unvermögen, sich selbst mit so vielen Gedanken innerlich zu zerstören, als intelligent und unglücklich.

Ich weiß, dass ich mir mit meinen endlosen pessimistischen Gedanken selbst im Weg stehe, aber ich kann sie einfach nicht abschalten. Das ist meine Sichtweise und das woran ich glaube.

In meinem Kopf ist so viel, sind so viele Gedanken, die ich kaum in Worte fassen kann oder selbst nicht verstehe. Ich bezweifle alles, stelle alles nur noch in Frage und nehme mir somit selbst alles, was mich noch gehalten und mir Kraft gegeben hat. Es kommt mir vor, als würde ich in meinen eigenen Gedanken ertrinken und je mehr ich versuche, mich über Wasser zu halten, desto tiefer sinke ich und desto weniger Energie habe ich, mich noch einmal an die Luft hoch zu kämpfen.

 

Kann mich irgendjemand verstehen?

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